Bräute erzählen...

Ganz in Weiß

Ganz in Weiß…ist der Richtige erst gefunden, muss noch das passende Kleid her.

Die Wahl des Brautkleides ist wohl eines der zentralen Themen der Hochzeitsvorbereitungen einer jeden Braut. Ich persönlich gehe gern alleine shoppen. Wann immer ich mit Freundinnen durch die Stadt gezogen bin, war die Anzahl an Fehlkäufen und Schrankleichen am Ende meist höher, als bei meinen Single-Shopping-Touren. Entweder lasse ich mich von anderen Menschen zu sehr beeinflussen, obwohl ich mich ehrlich gesagt gar nicht als leicht beeinflussbar ansehe. Oder aber, ich bin in Gegenwart meiner Freundinnen oder meiner Mutter zu sehr abgelenkt vom Wesentlichen und erst zu Hause fallen mir die Fehler des Produktes auf. Nun denn, ein solches Szenario wollte ich beim Brautkleid um jeden Preis vermeiden. Zumal man Brautkleider, wenn sie erstmal bestellt sind, meist nicht zurückgeben kann und die Brautgeschäfte allein für die Beratung oftmals eine Gebühr von etwa 50€ verlangen, die im Falle eines Kaufs verrechnet wird.

Zu Beginn der Hochzeitsplanung, im Prinzip bereits zwei Jahre vor unserer kirchlichen Trauung legte ich einen Ordner mit Fotos von Brautkleidern und Accessoires nach meinem Geschmack an. Am liebsten, wäre ich natürlich sofort losgestürmt. Da aber in meinem Ratgeber stand, man sollte lieber erst 8-12 Monate vorher anfangen nach einem passenden Kleid zu gucken, blieb ich also brav. Inzwischen bin ich wirklich froh, dass ich mich an diesen Tipp gehalten habe. Denn, was mir vor 2 Jahren gefiel, ist heute so gar nicht mehr mein Fall. Inzwischen stehe ich über die Sozialen Netzwerke in regem Austausch mit vielen Bräuten und auch hier zeigt sich, dass die Auswahl des passenden Brautkleides von zentraler Bedeutung für das Glück der Braut ist. Es ist  gar nicht so ungewöhnlich, dass manche Bräute mehrere Kleider im Schrank hängen haben (meine Arbeitskollegin hatte acht Stück!!), weil sie plötzlich mit dem gekauften Kleid unglücklich sind oder meinen es findet sich noch etwas Besseres. Na, immerhin gehen wir nicht so mit unseren zukünftigen Partnern um…

Ich hatte also meinen Ordner voller Inspirationen und wusste schon so ungefähr was mir gefällt und was ich mir auf gar keinen Fall vorstellen kann. Beim Durchsehen der Bilder, fiel mir dann auf, dass alle Models extrem lange Beine hatten und ich fragte mich, wer da so mit Photoshop übertrieben hatte und wie so ein Kleid wohl an normalen Frauen aussehen mag. Dazu muss man wissen, dass Brautkleider meist auf einem Podest stehend präsentiert werden, damit sie schöner fallen. Das verlängert natürlich optisch den Unterkörper, so kommen Schleier und Schleppe besser zur Geltung. Auch im Brautmodegeschäft werden Bräute auf einen kleinen Hocker oder eine Stufe gestellt. Man sollte das Kleid also auch stets unter natürlichen Bedingungen ohne diese Hilfe testen. Ich habe dann noch vor meinem ersten Termin das Internet nach gebrauchten Brautkleidern durchforstet, um zu sehen, wie diese Kleider an normalen Bräuten jenseits der Größe 32  wirken und um eine preisliche Vorstellung zu bekommen. Denn, wenn man im Internet nach Preisen für Brautkleider sucht, dann bekommt man auf sogenannten „Chinaseiten“ utopisch günstige Preise von offensichtlich nachgeschneiderten Designermodellen, aber mit realen Preisen im Brautmodeladen hat das nichts zu tun. Zum Glück schreiben die ehemaligen Bräute in den Gebrauchtportalen meist den Neupreis und das Jahr der Kollektion dazu.

Mit meinem ungefähren Budget (2000€ mit allen Änderungen und Accessoires) und einer fixen Vorstellung (auf JEDEN Fall Ärmel, keine Korsage, auf KEINEN Fall Tüll, eventuell farbig, auf JEDEN Fall ganz viel Spitze im Vintagestil) machte ich mir also einen Termin in dem Brautmodegeschäft, dessen Schaufenster ich schon hunderte Male sabbernd angeschmachtet habe. Ich wollte bewusst ganz alleine mein Brautkleid aussuchen. Das vernahm die Dame am Telefon etwas verwundert mit mitleidiger Stimme, aber ich beschloss das einfach zu ignorieren.

Am Tag der Anprobe wurde meine fehlende Entourage nicht nochmal thematisiert. Empfangen von einer lieben Verkäuferin, durfte ich mir also erstmal ganz viele Kleider angucken und meine genaue Vorstellung schildern. Auf dem Bügel sahen erstmal alle Kleider nichtssagend aus – viel zu viel Stoff und irgendwie plump. Wir suchten dann meine Favoriten heraus, auch die, die ich schon vor Monaten im Schaufenster gesehen habe und dann ging es ab in die Umkleide. Und da wird einem als Braut dann erstmals klar, dass man gerade ein richtiges Brautkleid anprobiert. 4 Kleider hingen an der Stange und wurden nacheinander anprobiert. Ein enges Spitzenkleid sah von vorne ganz ok aus, auch nachdem ich vom Hocker gestiegen bin. Es machte eine schöne Silhouette, jedoch hätte ich niemals etwas essen können und am Hintern betonte es Fettpolster, die ich bisher erfolgreich ignorieren hatte. Alle Kleider, die ich anprobiert habe, waren hübsch, aber leider nicht an mir. Irgendwie habe ich auf diesen magischen Moment, den alle beschreiben, gewartet. Aber er kam nicht. Keine Tränen, kein Weinen vor Glück und keines der Kleider „tat etwas für mich“. Ich fühlte mich nicht so richtig wohl, meine Vorstellungen passten nicht zu mir. Ich hatte mich zu sehr von Trends und Fotos lenken lassen und wurde nun von Versagensängsten heimgesucht. Preislich lagen die Kleider meist genau in meinem Budget. Die Verkäuferin merkte, wie unglücklich ich war und schlug vor etwas ganz Anderes anzuprobieren. Sie kam mit einer Korsagen-Tüll-Kombination zurück und was soll ich sagen, noch bevor das Kleid richtig geschlossen war, hatte ich ein besseres Gefühl. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin, obwohl ich gar keine sein wollte. Schließlich wollte ich ja aus mir eher eine coole Vintage-Boho-Braut machen. Als ich auf den kleinen Hocker stieg, das Kleid in der Taille glatt strich, obwohl es nichts zum Glattstreichen gab, war ich überzeugt, das ist wohl MEIN Kleid. Geweint hab ich nicht. Ich brauchte auch keinen Sekt mehr, um mich überzeugen zu lassen. Insgeheim glaube ich, dass dieser „besondere Moment“ mit Weinen und überschießenden Emotionen, wenn man DAS Kleid aller Kleider gefunden hat, gar nicht existiert. Bräute machen sich auch hier wieder viel zu großen Stress und haben zu große Erwartungen an ihre Emotionen. Es ist wie mit der „Liebe auf den ersten Blick“. Ich persönlich glaube nicht daran. Warum sollte mich ein Kleidungsstück plötzlich zu Emotionen hinreißen, die schon Menschen nicht beim ersten Anblick in mir wecken konnten?!? Auch hier sind wohl die Medien nicht ganz unschuldig daran, dass sich junge Frauen so unter Druck setzen. Und wenn sie dann ein Kleid kaufen ohne eine Träne zu vergießen, im Fernsehen aber reihenweise Bräute sehen, die einen ganzen Ozean mit ihren Freudentränen füllen könnten, ja, dann wundert es einen nicht, wenn die armen Mädchen ein Kleid nach dem anderen kaufen, in der Hoffnung mit dem Kleid endlich dieses Gefühl kaufen zu können. Wie schon erwähnt, ich bin ein eher pragmatischer Typ Mensch. Beim Entkleiden warf ich möglichst unauffällig einen Blick auf das Preisschild. Der Preis lag bei einem Drittel meines Budgets, da das Kleid reduziert war.  Ich freute mich noch mehr und überlegte, was ich mit dem Rest des Kleiderbudgets alles anfangen könnte. Angefangen bei einer neuen Designerhandtasche bis zum lang ersehnten Wellnesswochenende. Am Ende siegte die Vernunft, ich buchte einen Videografen. Das Kleid habe ich noch am gleichen Tag gekauft und komplett bezahlt. Etwa einen Monat später erkrankte ich an der oben schon erwähnten Bräutekrankheit und bin nochmal in den Laden, weil mich die Unsicherheit packte ob ich nicht noch in einen anderen Laden hätte gehen sollen. Aber als ich das Kleid nochmal anziehen durfte, fühlte ich mich sofort wieder gut und war sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Ich habe in dem Laden tatsächlich nur mein Brautkleid gekauft. Alle weiteren Accessoires habe ich  zum Teil gebraucht im Internet erstanden, anfertigen lassen oder selbst gemacht. Ende April habe ich den ersten Abstecktermin, da werde ich sehen, ob alles grob zusammenpasst oder ob noch etwas fehlt.

So, ihr Lieben, das war nun die Geschichte, wie ich mein Brautkleid gefunden habe.  Ein Foto kann ich euch natürlich noch nicht vorweisen. Solltet ihr auch bald auf der Suche sein, so wünsche ich euch ganz viel Glück und Erfolg, aber vor allem Gelassenheit. In meinem nächsten Post möchte ich einige DIY-Ideen vorstellen.  Unter anderem habe ich meinen Haarschmuck, eine Art Haardraht, selbst gebastelt, er ist auf dem Foto abgebildet. Seid gespannt!

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Bis bald,

eure Angelika!

Bräute erzählen...

Die ersten Planungen…

So, Zeit für einen neuen Blogbeitrag – Aber wie fängt man eigentlich an, eine Hochzeit zu planen?  Kaum ein weiteres Ereignis benötigt wohl so viel Planungsgeschick wie eine Hochzeit. Viele werden nun wahrscheinlich zustimmend nicken 🙂 Aber lest selbst:


Wie plant man eigentlich eine Hochzeit? Wo fängt man an? Mit diesen Fragen bin ich also erstmal in den Buchladen spaziert und habe mich mit einschlägiger Literatur eingedeckt (Ja, auch das Buch über  Tante Inge war dabei…ich finde, man kann es gut lesen!) Beim Wocheneinkauf wanderten dann noch einige Brautzeitschriften, die genau wie alle anderen Frauenzeitschriften auch zu 99% nur aus Werbung bestehen, aber in diesem Fall aufgrund des Wortes „Braut“ etwa fünfmal so teuer sind, in meinen Einkaufskorb. Das reichte zumindest schon mal als Abendlektüre. In Gedanken ging ich eine imaginäre Gästeliste durch und stellte fest, dass es ein etwas größeres Fest werden würde. Recht früh besprachen mein Mann und ich unsere Vorstellung unseres Festes, das Budget und die ungefähre Anzahl der Gäste, in Gedanken hängte ich überall noch ne Null dran. Ich ließ direkt keinen Zweifel daran, dass er, wenn er mich heiraten will, nicht mit nem‘ Kartoffelsalat davon kommt.

Um mich inspirieren zu lassen durchforstete ich INSTAGRAM und PINTEREST und natürlich waren die Themen Brautkleid, Brautfrisur, Brautschuhe und Brautstrauß ganz vorne. Am liebsten wäre ich direkt losgelaufen und hätte direkt ein Kleid bestellt. Aber wir hatten zu dem Zeitpunkt weder einen Termin, noch wussten unsere Eltern überhaupt, dass wir heiraten wollen, also schön langsam, ein Schritt nach dem anderen.

Nachdem wir es an Weihnachten endlich verkündet hatten, steckten wir alle die Köpfe zusammen und suchten nach einem geeigneten Hochzeitsdatum. Damit sollte man wohl seine Planung beginnen. Wir entschieden uns für einen Brückentag im Juni, der auf einen Freitag fällt. Dies hatte für uns mehrere Vorteile. Zum einen sind die Preise in den Locations an Freitagen häufig günstiger, zum anderen können unsere Gäste, vor allem die aus dem Ausland, bequem anreisen und müssen nur einen Tag Urlaub nehmen und niemand muss am nächsten Tag wieder arbeiten.

Da wir nicht ewig auf unsere Hochzeit warten wollten, entschieden wir uns aus romantischen und steuerrechtlichen Gründen (für letzteres ist mein Mann von Berufswegen zuständig) die standesamtliche Hochzeit im kleinen Kreis noch im gleichen Jahr zu feiern. So konnte ich die Hochzeitsplanung schon mal im kleinen Rahmen proben. Im Nachhinein würde ich es immer wieder so machen.

Mit heutigem Blick auf unsere baldige kirchliche Trauung, bin ich nun froh, dass wir nicht zwei Trauungen in einen Tag gestopft haben.

Die grobe Auswahl der Gästeliste sollte man unbedingt erledigen, bevor es auf Locationsuche geht. Die Suche einer passenden Hochzeitslocation ist aber nach dem Termin so ziemlich das Wichtigste, da viele Locations bereits 12 und mehr Monate im Voraus gebucht werden. Wir haben uns etwa 1,5 Jahre vorher drei Locations in der Stadt und drei weitere außerhalb Hannovers angesehen. Man sollte nie die erstbeste nehmen. Ein schriftlicher Kostenvoranschlag erleichtert den Vergleich zu Hause. Einige Locations bieten gute All-inclusive-Pakete, diese garantieren jedoch nicht immer den besten Preis. Das Schwierige bei der Locationsuche war für mich die Angst, dass sie schon morgen ausgebucht sein könnte. Dieser Zeitfaktor wird von einigen Dienstleistern natürlich ausgenutzt, auch was den Preis angeht. Hinzu kommt, dass die katholische Kirche so früh keine Termine vergeben wollte, hier konnte man höchsten 6 Monate vorher einen Termin festlegen. Die evangelische Kirche hat glücklicherweise mit der Terminvergabe keine Schwierigkeiten und so kam es, dass wir letztlich in der Heimatgemeinde meines Mannes um einen Trautermin baten und nun in der evangelischen Kapelle direkt neben unserer Traumlocation getraut werden.

Bei der Auswahl der Location sollte man sich grob schon mal überlegt haben, wie und in welchem Stil man feiern möchte.

Wer auf Game of Thrones steht, wird wohl kaum in einer Scheune glücklich und die Disneyprinzessin feiert sicher auch nicht im Erlebniszoo, es sei denn, es handelt sich um Arielle.

Und wer kein Motto hat, sollte die Location wenigstens seinem Budget anpassen.  Ein toller Saal macht noch lange keine Stimmung. Damit wären wir auch schon beim Thema DJ.  Jetzt wäre  der richtige Zeitpunkt sich um einen DJ oder eine Band zu kümmern, allerdings übernimmt unsere Location die Punkte DJ, Dekoration, Torte, Verpflegung und Getränke, so dass wir wirklich viel Arbeit delegieren konnten.

Direkt nachdem wir unsere Location gebucht haben, kümmerten wir uns um einen Fotografen. Die Fotografenauswahl ist reine Geschmackssache in meinen Augen. Die meisten Fotografen haben ein breites Portfolio auf ihren Internetseiten, Preislisten gibt es meistens auf Anfrage.  Wir haben uns am Ende für einen ortskundigen Fotografen entschieden, da er unsere Stadt und daher geeignete Orte für Fotos in der Nähe gut kennt. Im Zuge der weiteren Hochzeitsplanung habe ich irgendwann Gefallen an einer Hochzeitsreportage gefunden, so dass ich schließlich noch einen Videografen gebucht habe. Ob ich es am Ende noch bereuen werde, kein Kombiangebot aus Foto- und Videograf abgeschlossen zu haben oder ob das Verpflichten zweier getrennter Dienstleister für diese Bereiche besser war, wird sich erst im Juni herausstellen.

Beim Thema Einladungen ließ mir mein Mann freie Hand. Für das Standesamt brauchte ich nur zehn Stück und für die kirchliche Trauung in geringer Stückzahl jedoch in verschiedenen Sprachen. Daher habe ich sie selbst gebastelt und bin mit dem Ergebnis auch durchaus zufrieden.

Man darf sich nur nicht vormachen, dass selbstgebastelte Einladungskarten günstiger sind.

Verschickt haben wir sie sechs Monate vor der Hochzeit mit Bitte um Antwort binnen der nächsten drei Monate.

Und damit schließe ich nun diesen Post und lade Euch gern zu meinem nächsten ein, in dem erzähle ich Euch von meiner Brautkleidsuche und allem, was dazu gehört. Genießt den Hochzeitswahnsinn!

Ich hoffe mein zweiter Blogbeitrag hilft euch bei der Planung eurer Hochzeit ein Stück weiter 🙂 Anbei habe ich euch noch ein ziemlich hilfreiches Dokument angehängt. Hier die Gästeliste, wo ihr ganz einfach Eintragen könnt, wer kommt und wer abgesagt hat. Somit habt ihr immer einen tollen Überblick, über die Gästeanzahl. Das war mir persönlich eine sehr große Hilfe.

Bis zum Nächsten Mal,

Angelika <3

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Bräute erzählen...

Von der Prinzessin zur Bridezilla

JUHU! Eine neue Blogreihe startet und wir freuen uns schon sooo sehr drauf! Lange haben wir geplant und gesucht!

In der Blogreihe „Bräute erzählen“ wird uns Angelika von ihren Planungen erzählen. Die 30 Jährige durfte letztes Jahr schon bei einer kleinen standesamtlichen Hochzeit das Brautfeeling genießen. Diesen Sommer findet das große Fest mit der kirchlichen Trauung statt – Das plant sie nun seit 2 Jahren. Wir freuen uns sehr, dass Angelika bis zu Ihrer Hochzeit nun regelmäßig auf unserem Blog berichten wird. Und nun geben wir an Angelika ab <3


 

Es sind nur noch drei Monate Zeit bis zum großen Tag. Zwei Jahre Planung, unzählige Bastelabende und zahlreiche Telefonate voll Tränen und Freude werden dann ein Ende haben und in unserer kirchlichen Trauung ihr Finale finden. Und so langsam beginne ich mich zu fragen, was mache ich eigentlich danach? Gut, die Ernährungsumstellung und den neuen Fitnesslifestyle könnte ich zwecks langersehnter Modelfigur fortführen. Ich könnte auch erstmal die vielen Basteluntensilien, von denen ich sicherlich nur ein Drittel in Zukunft verwenden werde, sortieren und auf diversen Brautflohmärkten verkaufen. Fotos müssen geordnet und ausgewählt, das Brautkleid gereinigt und für den Verkauf vorbereitet werden – dazu habe ich mich schon frühzeitig entschlossen, ich möchte in unserer kleinen Wohnung nicht noch mehr Staubfänger horten. Mit all diesen Aufgaben kann man schnell eine Afterwedding-todo-Liste füllen.

Ich liebe to-do-Listen. Das ist mein Rezept, die Zeit bis zu unseren Flitterwochen im Oktober zu überbrücken und das Hochzeitsfeeling etwas zu verlängern. Irgendwie habe ich Angst vor der Zeit „danach“.  Je näher das große Ereignis rückt, desto mehr denke ich darüber nach. Ich mache mir richtige Sorgen, dass ich nach der Hochzeit in eine Art „tiefes Loch“ falle. So wie Schwangere den Babyblues erleben, berichten einige Bräute vom „Afterweddingblues“. Im Grunde ist es eine Situation, die ich schon kenne. Nach jeder großen Prüfung, sei es Abitur oder Examen, musste ich mich erstmal selbst wieder finden, denn plötzlich war da ganz viel Freizeit, die zuvor mit nur einem einzigen Motiv gefüllt war. Und hier liegt das eigentliche Problem.

In vielen Foren lese ich „unser großer Tag ist leider schon vorbei und nun verkaufe ich „XYZ“. Es scheint also vielen Bräuten so zu gehen, dass sie auf die Hochzeit zu fiebern und es dann bedauern, wenn der Tag vorbei ist.

Dabei beginnt doch erst danach das Eheleben und damit ein ganz neuer Abschnitt für die Partnerschaft. Das ist doch das zentrale Motiv einer Hochzeit. Aber das vergessen wir Bräute im Rausch der Vorbereitungen umgeben von Instagram und Co. nur all zu schnell.

Auch ich bin im Zuge der Planung zur Bridezilla bzw. Brautzilla mutiert. Dabei wollte ich eine Prinzessin sein.

Wer sich jetzt fragt was eine Bridezilla  ist. Nun, ich musste es letztens erst meinem Mann erklären und er hat herzlich gelacht und mit dem Finger auf mich gezeigt. Wortwörtlich ist es eine Zusammensetzung aus den Worten Braut und Godzilla. Es gibt sogar eine Serie über Bridezillas mit eigenem Wikipedia-Eintrag, das Thema scheint also weltbewegend zu sein.

Nach und nach habe ich mich immer mehr in dieses Monster verwandelt. Alles muss perfekt sein, ins Farbkonzept und zum Motto passen, dem Budget entsprechen und stets mit mir abgesprochen werden. Ich frage mich, an welchem Punkt der Planung es so weit gekommen ist, dass ich sogar überlege meinem Mann vorzuschreiben, was er am Tag unserer Trauung anzuziehen hat. Zeitgleich sind natürlich meine Erwartungen an unsere Hochzeit ins Unermessliche gewachsen, so dass ich am Ende, wenn man ehrlich ist, nur enttäuscht werden kann. Es belastet sogar unsere Beziehung. Ich werfe meinem Mann mangelnde Motivation vor, er mir übermäßigen Perfektionismus. In einem solchen Moment würde ich am liebsten alles absagen. Ich bin mir sicher, diesen Punkt erreichen viele Bräute irgendwann. Wenn ich nochmal von vorne planen könnte, hätte ich wohl an einigen Stellen etwas Geld einsparen und an einer anderen Stelle investieren sollen – nämlich an der eines Weddingplaners. Mein zentrales Problem ist, dass ich schlecht delegieren und die Kontrolle abgeben kann.

Und da stehe ich mir gerade selbst im Weg. Ich muss also das Bridezilla-Kostüm ablegen (ich lasse es gern professionell reinigen und gebe es in gute Hände weiter, schließlich war vor kurzem Aschermittwoch und Fasching ist vorbei).

Bei dem ganzen Theater geht es nämlich nicht um Sitzpläne oder Stuhlhussen, Boho oder Vintage. Es geht einzig und allein um unsere Partnerschaft. Wir wollen uns vor Gott das Jawort geben, im Kreise unserer Lieben. Ob Freudentränen-Taschentücher in den Kirchenheften liegen oder nicht, ist nebensächlich. Es hat ohnehin jede Mutti Taschentücher in ihrer Handtasche dabei. Auch das Wetter kann man selbst als Bridezilla nicht kontrollieren.  Und die Welt geht nicht unter, wenn die Gäste sich nicht an euren Dresscode halten. Den meisten Druck machen wir uns wohl selbst. Kein Gast erwartet hochkarätiges Entertainment auf einer Hochzeit. Man muss Gästen nicht alles bieten, auch wenn es uns von einschlägigen TV-Sendern vorgegaukelt wird. Kalorien gibt es in Form von Essen schon genug, eine Candy Bar ist nett, aber bei Platzmangel würde ich mich stets für eine größere Tanzfläche entscheiden. Ich liebe Instagram, um mich inspirieren zu lassen, aber real ist da schon lange nichts mehr.

Vielleicht ist es also Zeit für #mehrrealitätaufhochzeiten.

Social Media kann Segen und Fluch zugleich sein, wir sollten also einen Gang zurückschalten, den Terminkalender entrümpeln und rechtzeitig dem Brautburnout entgegen wirken. Sonst droht nach der Hochzeit und den Flitterwochen der Afterweddingblues. Und so freut sich mein Mann, dass der Sportschauabend wieder ihm und nicht mehr dem Tanzlehrer gehört. Und ich gönne mir jetzt ein bisschen Entspannung vom anstrengenden Brautalltag. Mit einem Augenzwinkern frage ich mich gerade, welches Kostüm ich wohl nächstes Jahr anlegen werde, etwa das einer Helikoptermutter?

Ihr Lieben, ich hoffe mein erster Blogbeitrag hat euch gefallen. Natürlich freue ich mich auf Rückmeldung.

Bis zum Nächsten Mal,

Angelika <3

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